Was viele wissen wollen
Hier findet Ihr Antworten auf Fragen, die uns häufig gestellt werden. Wenn Ihr noch weitere Fragen habt, zögert nicht uns zu kontaktieren. Wir werden darauf antworten – oder gemeinsam mit Euch neue Antworten suchen. Danke für Eure Neugier!
Haben die Mennonit:innen gemeinsame Überzeugungen?
Mennonit:innen taufen mündige Menschen auf ihren eigenen Willen und ihr eigenes Bekenntnis hin. Verpflichtende Bekenntnisse gibt es nicht. Einig sind sich Mennonit:innen darin, dass Frieden und Versöhnung eine zentrale Stellung im gelebten Glauben haben. Was das genau bedeutet, erkunden mennonitische Gemeinden und Zusammenschlüsse weltweit immer neu. Zwei Beispiele hierfür sind die sehr frühen Schleitheimer Artikel von 1527 und die weltweiten Gemeinsamen Überzeugungen von 2006.
Download: Weltweite gemeinsame Überzeugungen 2026
Sind alle Mennonit:innen Pazifist:innen?
Zusammen mit Christ:innen anderer Konfessionen weltweit sind wir uns bewusst, dass Jesu sich geweigert hat, sich selbst zu verteidigen oder andere mit Gewalt zu schützen. Die Evangelische Kirche in Deutschland sagte es 2025 so: „Jesus hat den vollständigen Verzicht auf Gewalt gelehrt.“ Mennonit:innen üben sich darin, diese Lehre auf vielfältige Weise umzusetzen: mit konstruktiver Konfliktaustragung und Anti-Diskriminierungsarbeit, mit widerständigen Aktionen und alternativen Praktiken für Klimagerechtigkeit, mit Ablehnung von Militarisierung und Kriegsdienstverweigerung, mit Dialogangeboten und Versöhnungsarbeit. Sie tun das in verschiedenen Kontexten in politischer Verantwortung oder indem sie sich fernhalten von staatlichen Gewaltstrukturen und Schutzräume für Bedrohte anbieten.
Wie gehen Mennonit:innen mit der eigenen Gewaltgeschichte um?
Mennonit:innen, egal ob sie in abgeschiedenen Gemeinschaften oder mitten in der Gesellschaft leben, sind in Gewaltstrukturen verstrickt und profitieren davon. Das betrifft zum Beispiel Siedler:innen in Nordamerika, die Land vom Staat kauften, das dieser sich offensichtlich unrechtmäßig angeeignet hatte. Das betrifft ebenso Mennonit:innen in Deutschland, die im Naziregime gewalttätig mitgewirkt haben. Und nicht zuletzt betrifft es die Täter sexualisierter Gewalt. Heute gibt es verschiedene Prozesse des Anerkennens der Schuld und von Wegen der Heilung. Der selbstkritische Umgang mit der eigenen Gewaltgeschichte wird als eine eigene Strömung in der mennonitischen Friedenstheologie und Friedenspraxis verstanden. Wir sind weiter auf dem Weg.
Empfehlen mennonitische Gemeinden die Kriegsdienstverweigerung?
Ja. Obwohl es keine verbindlichen Bekenntnisse gibt, gibt es doch Beschlüsse und Erklärungen von mennonitischen Gemeinden und Verbänden. Im Jahr 1985 beschloss die Mitgliederversammlung der Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden (VDM): „Den Wehrpflichtigen empfehlen wir die Verweigerung des Wehrdienstes.“ In fast identischen Worten steht es in der Friedenserklärung der VDM von 2009. Und was möchten die Gemeinden im Jahr 2026 empfehlen? Rede mit bei den Digitalen Donnerstagen im September.
Download: Beschluss VDM MV 1985
Bin ich eigentlich wehrpflichtig?
Alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren, die eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, sind wehrpflichtig. Das gilt für Ungediente, aktive Soldaten und Reservisten. Auch Männer mit einer doppelten Staatsbürgerschaft sind wehrpflichtig. Personen, die im Ausweis einen nicht-männlichen Geschlechtseintrag haben, sind nicht wehrpflichtig.
Wie stelle ich sicher, dass ich nicht gegen meine Grundüberzeugungen im Krieg töten muss?
Wehrpflichtige können, wenn ein einfaches Gesetz die seit dem Jahr 2011 geltende Aussetzung der Einberufung zum Wehrdienst wieder aufhebt, zum Waffendienst einberufen werden. Das wird voraussichtlich 2028 geschehen. Wessen Gewissen dagegen spricht, im Krieg zu töten, der kann das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, das vom Grundgesetz geschützt wird, in Anspruch nehmen. Das MFB berät Dich dabei.
Wie kann ich mich für den Frieden einsetzen?
Ehrenamtlich kannst Du Dich mit dem für Dich passenden Zeitaufwand in Deiner (online-)Umgebung einbringen. Schau Dich um, wer etwas für den Zusammenhalt in der Gesellschaft beiträgt oder durch Aktionen auf Unrecht aufmerksam macht. Mehr Spaß macht das, wenn Du Dich mit 1-2 Leuten zusammentust und Ihr gemeinsam erkundet, wo Ihr mitwirken könnt. Oder wollt Ihr etwas in und mit Deiner Mennonitengemeinde bewegen? Das MFB berät und unterstützt Euch gern!
Als Freiwillige:r kannst Du in Gemeinden, gemeinnützigen Vereinen und anderen Strukturen mitwirken an deren Friedensarbeit. Das geschieht zumeist für ein Jahr, in dem Du Dich auch orientieren kannst. Wenn Du einen ausländischen Freiwilligendienste tust, wirst Du interkulturelle Kompetenzen und neue Perspektiven erwerben. Das sind wichtige Fähigkeiten für ehrenamtliche oder professionelle Friedensarbeit im weiteren Leben.
Als Friedensfachkraft kannst Du Dich professionell für Frieden einsetzen. Ob Initiativen im Inland oder internationale Kooperationen: Kompetenzen in Konfliktanalyse und Fähigkeiten zur Moderation und Mediation sind genauso gefragt wie Konzepte der Friedensbildung und der Vergangenheitsbewältigung. Als Journalist kannst Du Dich auf konfliktsensiblen Journalismus spezialisieren, als Psychologin auf Traumabehandlung von Kindern, die Gewalt erfahren haben. Friedensfachkräfte haben typischerweise eine für die Stelle passende Grundqualifikation und eine praktische oder akademische Zusatzqualifikation in Friedens- und Konfliktthemen. Stellen sind typischerweise projektbezogen und befristet, etwa auf drei Jahre.
Widerstand leisten oder Dialog fördern, was ist besser?
Beides ist gut und nichts ist besser. Die Herausforderung ist, dass nicht die Widerständigen durch die Dialogischen behindert werden oder umgekehrt. Die Veränderungen in unserer Gesellschaft brauchen beides: Das klare Benennen des Unrechts, die Verweigerung mitzumachen, ja die Unterbrechung der schlechten Verhältnisse – und die Pflege der Beziehungen und des Zusammenhalts. Ideal ist es, wenn wir einander Gastfreundschaft geben in unseren Friedensräumen. Denn niemand möchte immer nur das Verbindende suchen, wenn das Unrecht zum Himmel schreit. Und niemand möchte immer nur protestieren, wenn gegenüber Mitmenschen stehen. Beide Formen des Engagements sind besser als das Ignorieren und kritiklose Mitwirken an ungerechten Verhältnissen.