###EXTRAS###

Neuer Mitarbeiter in Neubritz



Marius van Hoogstraten

Ich freue mich, mich als neuer Mitarbeiter des MFB vorstellen zu dürfen. Manche werden mich bereits kennen, für andere bin ich vielleicht neu. Seit November 2011 unterstütze ich Martina Basso in der Arbeit in Berlin-Neubritz (im Bezirk Neukölln).

Bis Herbst 2011 arbeitete ich als Friedensfreiwilliger beim Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee (DMFK) in Bammental . In der Zeit bin ich viel rumgereist, um Gemeinden durch Seminare und Workshops auf ihrem Weg, Friedensgemeinde zu werden, zu unterstützen. Ich war ebenfalls zwei mal mit Christian Peacemaker Teams im Einsatz im irakischen Kurdistan. Darüber berichtete ich in einigen Gemeinden.

Vor meiner Zeit in Deutschland absolvierte ich in meinem Herkunftsland, den Niederlanden, ein Masterstudium in Philosophie an der Universität Amsterdam. Mein Arabisch-Studium habe ich  nicht beendet. Dank einiger Zeit in Ägypten, Syrien und Palästina spreche ich jetzt aber einigermaßen Arabisch – eine Sprache, die ich auch in Neukölln gelegentlich üben kann.

In November tauschte ich das pittoreske kleine Bammental gegen das raue und große (aber irgendwie auch schöne) Berlin und das DMFK gegen das MFB. Auf meiner Visitenkarte steht nun „Koordinator Projekt Neubritz“, was wohl der beeindruckendste Titel ist, den ich je hatte. Konkret sind mir neben allgemeiner Unterstützung von Martina drei Aufgaben anvertraut: die Betreuung des Café International, der Aufbau eines interreligiösen Dialogs im Kiez und die Betreuung eines Wado-Ryu Karatekurses für Jungen. Meine Stelle (zunächst 10 Wochenstunden befristet bis 31.12.12)  wird mit einem Drittel vom  DMFK co-finanziert.

Das Café International, ein Treffen mit gemeinsamem Essen von Menschen verschiedenster Hintergründe in Zusammenarbeit mit dem Rat afrikanischer Christen in Berlin-Brandenburg, ist seit Dezember umgezogen nach Neukölln. Unter dem neuen Nenner „Café Global“ findet es nun jede Woche statt.
Im gleichen Raum haben wir kürzlich eine zweite regelmäßige Veranstaltung begonnen: das Café Abraham-Ibrahim, in dem es zweiwöchentlich Raum geben soll für interreligiöse Begegnungen und Gespräche. Es geht vor allem darum, als „normale“ Gläubige miteinander zu sprechen – einen hoch-theoretischen Dialog zwischen Theologen streben wir nicht an. Während ich dies schreibe, liegt das erste Café A-I noch vor mir, und ich kann nur sagen dass ich sehr gespannt bin, wie es sich entwickeln wird.

Der bekannte Kurs Wado-Ryu Karate für Mädchen hat seit kurzem einen kleinen Bruder: einen Kurs für Jungen. Letzte Woche (12. Januar) trafen sich zum ersten Mal zehn aufgeregte Jungs aus dem Kiez um sich auf die Karate- Lehrerin Bärbel Düsing und diese friedliche, defensive Art von Karate einzulassen. Einige von den Teilnehmern sind trotz ihres jungen Alters sehr gewaltfreudig - für sie wird sich der Kurs stärker auf Selbstwahrnehmung, Selbstkontrolle und Respekt fokussieren.

Neben der Arbeit beim MFB gebe ich Nachhilfe an der Silberstein-Schule und engagiere  mich ehrenamtlich beim Kindertreff Delbrücke. Beide sind Partner des MFB, und beide „Nebenjobs“ helfen mir also, im Kiez bekannt zu werden.
Die ersten zwei Monate meiner Arbeitszeit wohnte ich im Menno-Heim in Berlin-Lichterfelde. Kürzlich bin ich nach Berlin-Moabit umgezogen, wo Bekannte von mir dabei sind, eine Lebensgemeinschaft oder auch Konvent aufzubauen. (Eine Reaktion von einem Mitglied: „Oh, ein Mennonit! Hauerwas, Yoder! Großartig!“)
Das Leben in Berlin ist schneller und größer als im gemütlichen Süden. Ich habe gehört, dass der/die durchschnittliche Berliner/in im Schnitt eine Mahlzeit am Tag im Gehen isst. In der Hinsicht habe ich mich immerhin schnell angepasst. Auch in anderen Hinsichten integriere ich mich allmählich: Die halbe Stunde S-Bahn, die ich nun zur Arbeit fahre, kommt mir überhaupt nicht mehr lang vor. Die dreißig Sekunden, die ich auf mein Falafel (arabische Kichererbsenbällchen beim Schnellimbiss) warten muss, erscheinen mir aber wie eine Ewigkeit. Das Leben in der Stadt ist merkwürdig...

Marius van Hoogstraten